Au Pair-Jahr vorbei - was nun? Als Ausländer in Deutschland studieren?

Eine Frage, die mich kürzlich sogar von zwei Seiten erreichte (Danke, liebe G. und liebe M.), ist die folgende:

Was machen wir eigentlich, wenn wir uns nach einem Jahr gar nicht mehr von unserem Au Pair trennen wollen?

Und ich finde, das ist eine so gute Frage, dass sie einen eigenen Artikel wert ist! Auf geht’s:

Gehen wir mal vom Idealfall aus (und für alle anderen Situationen gibt es ja mich und mein Unterstützungsangebot): In der optimalen Variante findest Du das Leben als Au Pair-Familie super. Du genießt den interkulturellen Austausch und bist stolz darauf, Deinen jungen Gast auf seinem Lebensweg begleiten zu können. Dein Nachwuchs hat wertvolle Erfahrungen im Umgang mit anderen Kulturen gemacht und das Au Pair sehr ins Herz geschlossen. Du fühlt Dich wohl als Au Pair-Mama und hast die Entlastung bei der Kinderbetreuung und im Haushalt bekommen, die Du Dir gewünscht hattest.

Und wenn das alles so ist, stehst Du ratzfatz vor einem Problem: Nämlich der Frage, wie es nach dem Au Pair-Jahr weitergehen soll. Für Dich und Deine Familie einerseits und für das Au Pair andererseits.
Aus Sicht des Au Pairs gibt es drei Optionen:

1.    Es bleibt hier in Deutschland, um wasauchimmer zu tun.
2.    Es kehrt zurück in seine Heimat, um wasauchimmer zu tun.
3.    Es geht in ein drittes Land, um dort... na, Du weißt schon.

Bei den Varianten 2 und 3 bleibt Dir nichts zu tun, außer Deinem Aupair Erfolg und Glück zu wünschen. Doch welche weiteren Optionen ergeben sich aus Variante 1?

Mal angenommen, Euer Zusammenleben als Au Pair-Familie war harmonisch, der Alltag lief reibungslos, Du empfandest es als echte Bereicherung – dann werden sowohl Du, als auch Dein Aupair sich die naheliegende Frage stellen:

Kann nicht alles so bleiben, wie es ist?

Darauf gibt es im Prinzip zwei Antworten: Ja und nein.

Nein: Dein Aupair kann nicht weitere Zeit als Au Pair bei Dir bleiben. 12 Monate sind in Deutschland das Maximum. Und da dies formal so geregelt ist, gibt es da auch keinen Spielraum. Punkt. Aus. Ende.

Ja: Natürlich könnt Ihr andere Formen des Zusammenlebens finden. Die Variante, die ich kenne, will ich gern kurz beschreiben: Das Au Pair will in Deutschland studieren.

Um als Ausländer in Deutschland zu studieren, ist es in aller Regel erforderlich, zwei Dinge nachzuweisen: Das allgemeine Bildungsniveau und das sprachliche Niveau. Ersteres müssen bekanntlich auch deutsche Hochschulbewerber nachweisen, zum Beispiel mit Hilfe des Abiturs oder vergleichbarer Qualifikationen. Letzteres ist relevant, weil das Studium in einer Fremdsprache nun mal besonders hohe Anforderungen an den Sprachlevel stellt.

Genügt der schulische Abschluss den universitären Ansprüchen – wunderbar! Genügt er nicht, muss das Au Pair ggf. zuerst ein Studienkolleg besuchen (Weitere Infos zu den Studienkollegs in Deutschlands findest Du übrigens hier.) http://www.studienkollegs.de/index.html

Und dasselbe gilt natürlich auch für den Sprachlevel: Genügt der Sprachlevel den universitären Anforderungen – wunderbar. In der Vielzahl der mir bekannten Fälle tat er dies nicht. Dann folgt in der Regel die DSH. Eine wunderbare Abkürzung! DSH steht für „Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang“. Entsprechende Kurse bieten das Goethe-Institut, die Volkshochschulen sowie die Universitäten und Fachhochschulen.


Besucht das Au Pair bzw. Dein künftiges Ex-Au Pair dann den DSH-Kurs, läuft es in Sachen Visum als Sprachstudentin. Dann kann es weiterhin bei Dir leben. Allerdings müsstest Du Dich gegenüber dem Ausländeramt hinsichtlich der Kostenübernahme erklären. So war es zumindest bei uns. Dabei hast Du meistens zwei Varianten: Das Sperrkonto oder die Verpflichtungserklärung. Ich würde Dir immer das Sperrkonto empfehlen. Wieso Du sehr gut und sehr ausführlich nachdenken solltest, bevor Du eine Verpflichtungserklärung unterschreibst, habe ich ja neulich schon beschrieben.

Für uns war es die beste Lösung, dass unsere Anna als Sprachstudentin bei uns blieb: Ihre Kurszeiten passten damals perfekt zu unserem Betreuungsbedarf. Sie war bis zum frühen Nachmittag unterwegs und holte danach den Kurzen vom Kindergarten ab. Dass sie während ihrer Zeit als Sprachstudentin ihren jetzigen Verlobten kennenlernte und das somit der Anfang vom Ende ihrer Zeit mit und bei uns war, ist genauso traurig wie schön. Für Anna und für uns.