Ein Gedanke: Wer zahlt, bestimmt

"Agnieszka?" fragt Martyn. "Ist der Name nicht etwas lang? Wenn sie es in diesem Land zu was bringen will, dann muß sie ihn abkürzen. Schssk-Laute - das kennen die Leute hier nicht."

"Aber sie wird ihn nicht abkürzen wollen", sagt Hattie. "Bei so was haben die Leute ihren Stolz, und sie fühlen sich ihren Eltern gegenüber verpflichtet, die ihnen den Namen gegeben haben."

"Wenn wir sie bezahlen", sagt Martyn, "dann sollte sie schon mehr oder weniger das tun, was wir von ihr erwarten."

 

Aus: "Die Moral der Frauen" von Fay Weldon

Ihre Coachingfragen zum Weiterdenken:

  • Hat Martyn recht: Muss Hatties und Martyns künftiges Aupair Agnieszka ihren Namen ändern, damit sie besser in London zurechtkommt?
  • Würden Sie Ihren Namen ändern, um im Ausland besser akzeptiert zu werden?
  • Dürfen Sie als Gast- und Arbeitgeberin Ihres Aupairs erwarten, dass Ihr Aupair seinen Namen ggf. abkürzt oder einen besseren ausprechbaren Namen verwenden?
  • Und die alles entscheidende Frage: Wie stehen Sie zu Martyns letztem Satz? Muss ein Aupair tatsächlich "mehr oder weniger alles" tun, was Sie als Gastmama erwarten? Wenn ja: Wirklich alles? Mit welchem Recht? Wenn nein: Was schließen Sie explizit aus? Und wieso?

Au Pairs und wie sie sich nennen: Meine Erfahrung zum Thema Namen:

Bei unseren Aupairs aus Russland, Nepal, Armenien und Georgien war es leicht, den Namen auszusprechen. Es waren Namen, die auch im Deutschen vorkommen, uns vom Hören bekannt sind oder zumindest schnell vertraut wurden. Kurz- oder Koseformen der jeweiligen Namen haben wir nur verwendet, wenn das Aupair dies anbot oder sich selbst so nannte.

Speziell war - auch in dieser Hinsicht - unser chinesisches Aupair: Ihr (chinesischer) Deutschlehrer hatte empfohlen, in Europa nicht mit ihrem Geburtsnamen aufzutreten. Also suchte sie sich einen europäische Vornamen aus. Oder zumindest einen, den sie für europäisch hielt...