Au Pair und Gastmutter - Dienstbotin und Herrin?

Es ist einfach so: Als Aupair-Mama übernehmen Sie Führungsaufgaben. Ob Sie wollen oder nicht. Also – wollen Sie lieber! (Mehr zum Thema „Plötzlich Aupair-Mama – plötzlich Führungskraft“ lesen Sie übrigens hier.) Und aus Ihrer Führungsrolle ergibt sich das Problem der Hierarchie. Was in einem regulären Arbeitsverhältnis normal und akzeptiert ist, kann in der Aupair-Familie zu Schwierigkeiten führen: Sie haben (zumindest gefühlt!) die Rolle der Chefin, Ihr Aupair die der Mitarbeiterin.

(Und wie immer wenn es um diesen Aspekt geht, erlaube ich mir folgenden Hinweis: Natürlich handelt es sich bei Ihrem Aupair nicht um eine Angestellte. Der Aupair-Vertrag bedingt ein „Betreuungsverhältnis besonderer Art“, keinen Arbeitsvertrag im herkömmlichen Sinne.)

Hierarchie in der Aupair-Familie

Also, zurück zur Hierarchie zwischen Ihnen als Aupair-Mama und Ihrem jungen Gast. Was meine ich damit?

In den meisten Familien dürfte es selbstverständlich sein, dass jeder im Haushalt und bei der Kinderbetreuung Aufgaben übernimmt: Sie, Ihr Partner, Ihr Nachwuchs und Ihr Aupair. Und irgendjemand muss festlegen, welche Aufgaben wann, von wem und wie erledigt werden sollen. Natürlich können Sie die zu verteilenden Aufgaben auch im Familienrat diskutieren und gemeinsam festlegen, wer was macht. Ob Sie allerdings so zu einer wesentlich anderen Aufgabenverteilung kommen, als wenn Sie es gleich selbst festlegen? Naja,wenigstens haben Sie dann mal drüber gesprochen...

Runder Tisch oder Königskrone?

Wenn Sie allerdings denken, dass es Grenzen der Basisdemokratie gibt, dann wird es eine Person geben, die die Aufgaben in Ihrer Familie verteilt. Und das sind in aller Regel Sie. (Oder auch Ihr Partner.) Aber nicht Ihr Aupair. Und das ist auch nicht verwunderlich: Es ist Ihre Familie, Ihr Nachwuchs, Ihr Haushalt. Nicht des Aupairs. Sie legen die Regeln fest, die für Ihre Familie gelten. Nicht Ihr Aupair. Das mag vielleicht nach einer Monarchie klingen. Aber es soll ja auch gutherzige, gerechte und fürsorgliche Königinnen geben...

Bei der Aufgabenverteilung berücksichtigen Sie natürlich, wer welche Fähigkeiten und Kenntnisse hat und welche vertraglichen Rahmenbedingungen zu Grunde liegen. Um direkt mal den vertraglichen Aspekt abzuhandeln: Sie dürfen Ihrem Aupair nicht zumuten, den 2000 qm großen Garten umzugraben, neue Beete anzulegen und die 150 Obstbäume zu schneiden. Das gehört nämlich nicht zu „leichter Hausarbeit“. Sich um die Wäsche zu kümmern dagegen schon. Allerdings...

Wäsche trennen nach Familienmitgliedern?

Ob es allerdings Sinn macht, sich nach dem Wikipedia-Text (Stand 24.09.2014) zu richten, ist für mich fraglich: „Die Hauptaufgabe für das Au-Pair ist die Kinderbetreuung. Alle Aufgaben sollten mit der Kinderbetreuung zusammenhängen, wie z. B. das Waschen der Wäsche der Kinder.

Kinderbetreuung als Hauptaufgabe – ok, Haken dran. Aber der Passus zur Wäsche? Ich weiß ja nicht, wie Sie das machen: Ich trenne die Kleidung nach hell- oder dunkelbunt, Weiß-, Outdoor- und Kochwäsche. Nicht aber nach Familienmitgliedern. Demnach sind Kleidungsstücke von uns allen (natürlich inkl. Aupair) in ein und derselben Maschine. Ich hielte es nun für wenig sinnvoll, wenn unser Aupair ausschließlich die Kinderwäsche aus der Waschmaschine in den Trockner räumen und aufhängen würde. Aber das nur am Rande...

Au Pair und Gastmutter - einer hat den Hut auf

Wenn Sie also diejenige sind, die die Aufgaben verteilt und kontrolliert und Ihr Aupair primär ausführende Funktion hat, ergibt sich daraus ein gewisses Gefälle. Ob Sie das so wollen oder nicht. Denn schließlich wird Ihr Aupair umgekehrt die Ihnen obliegenden Aufgaben nicht kontrollieren. Oder? Aus dieser Hierarchie ergibt sich für manche das Gefühl, die Aupairs seien die Dienstbotin und die Aupair-Mamas die Herrin.

Und ja: Es mag sicherlich Familien geben, wo allgemeine Lebensweise, Umgangston und Verhalten den Eindruck von „Dienstbotin und Herrin“ unterstützen. Von den pressewirksamen obermiesen Machenschaften auf beiden Seiten will ich an dieser Stelle gar nicht reden. Aber es gibt ja Aupairs, die in separaten Einliegerwohnungen leben, ihre Mahlzeiten allein einnehmen und wirklich nur für die Aufgabenerfüllung mit der Familie zusammen sind. Das mag ja für die betreffenden Familien und Aupairs auch durchaus ok sein. So hörte ich zumindest von konkreten Familien und (!) Mädchen, die das so wollen und prima finden. Vermutlich gibt es allerdings auch Mädchen, die das so machen müssen und damit unzufrieden sind.

Für mich jedenfalls wäre das nichts. Es trifft einfach nicht den Kern des Aupair-Wesens: „Kulturaustausch, Sprachenlernen und Familienintegration im Austausch gegen Hilfe bei der Kinderbetreuung und im Haushalt“. Und ich denke, es muss und kann möglich sein, trotz der dirigierenden Rolle der Aufgabenzuweisung und -kontrolle einerseits und der ausführenden Rolle der Aufgabenerledigung andererseits ein familiäres, zugewandtes und herzliches Verhältnis zueinander aufzubauen. Sie fragen sich, wessen Aufgabe das ist? Überraschung: Ihre natürlich! Weil Sie hierarchisch höher stehen, ganz einfach.

Alternative Aufgabenverteilung

Natürlich können Sie bei der Aufgabenverteilung auch ganz anders vorgehen und diese weniger hierarchisch regeln: Ihr Aupair kocht das 5-Gänge-Menü für Weihnachten, während Sie derweile die Wäsche zusammenlegen. Ihr Aupair topft die Zimmerpflanzen um, Sie bringen das Altglas zum Container. Ihr Aupair erstellt die Präsentation für die Vertriebstagung, Sie holen indessen den Nachwuchs von der Kita ab.

Der Normalfall dürfte allerdings sein, dass die PowerPoint-Kenntnisse Ihres Aupairs dafür nicht ausreichen, vom Fachlichen mal ganz zu schweigen... Und auch beim Kochen habe ich da so meine Zweifel. Das Umtopfen würde ich riskieren – viel roter als mein Daumen geht nicht!