Ein Gedanke: Das Aupair im Wandel der Zeiten

"Die Fünfziger blieben weitgehend dienstbotenfrei. In den Sechzigern, als Wohlstand und Abenteuerlust zunahmen, kamen die ersten Au-pairs aus dem Ausland, die im Haus lebten und mithalfen [nach Großbritannien]. Sie kamen, um Englisch zu lernen, und waren im großen und ganzen sittsam, ehrlich und sauber und erwarteten nicht, Liebhaber oder mehr als den Mindestlohn  zu haben. Und da nur wenige Mütter berufstätig waren, sah sich das Au-pair kaum je mit der ganzen Verantwortung alleingelassen. Au-pairs wurden wie ein Familienmitglied behandelt. Unter gewissen Umständen... war das Wort "Familie" allerdings recht unklar definiert. Schon bald kursierten jede Menge Geschichten über Ehemänner, die mit dem Au-Pair durchgebrannt waren; im großen und ganzen aber wurde die "Fürsorgepflicht", wie wir sie heute nennen, gegenüber den Hilflosen und Verletzlichen... anerkannt.

Das Au-pair von heute will ein Sexleben, anständig bezahlt werden, in Pubs und Clubs gehen und gelegentlich auch einen Kurs besuchen. Sie weiß selbst, was sie will, egal was ihre Mutter wünscht. ... Sie kommt aus einem Land weiter im Osten ... und ihre Gewohnheiten mögen überraschend sein; wir erwarten, dass sie den unseren entsprechen, aber das ist ein Fehler. Sie denkt in erster Linie an ihr Überleben. Die Kulturen, in denen Männer Frauen versorgen, sind rapide im Schwinden begriffen. Wenn sie von außerhalb des neuen Europa stammt, hofft sie womöglich, einen Engländer um seiner Staatsangehörigkeit willen heiraten zu können."

 

Aus "Die Moral der Frauen" von Fay Weldon

Ihre Coachingfragen zum Weiterdenken:

  • Wenn Sie an ein Aupair denken - haben Sie das Mädchen der 50iger oder das des 21. Jahrhunderts vor Augen? Und welche Konflikte könnte es mit sich bringen, wenn Sie das 50iger-Jahre-Mädchen erhoffen und ein modernes Aupair bekommen? Oder genau andersherum?
  • Was halten Sie davon, dass es auch unter den nach Deutschland kommenden Aupairs Mädchen gibt, die ihre Zeit für die Suche nach einem Heiratskandidaten nutzen wollen? Was könnten deren Beweggründe sein? Und wie müssten Lebensbedingungen sein, damit Sie selbst sich zu solch einem Schritt entschlössen?